„Kinder mitdenken! – Kindeswohl und Kinderschutz in der ambulanten Psycho­therapie mit Erwachsenen“

Kinder können durch die psychische Erkrankung ihrer Eltern verschiedenen Belastungen ausgesetzt sein und haben ein 3- bis 4-fach erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Daher sollten in der Psychotherapie mit Erwachsenen die Kinder der Patient:innen „mitgedacht“ werden. Das ist herausfordernd und zugleich eine große Chance für die Kinder und ihre Eltern. 
Kinder mitdenken in der Psychotherapie mit Erwachsenen, macht doppelt Sinn. Zum einen sollte im Sinne der Prävention im Blick behalten werden, wie sich die psychische Belastung eines Elternteils auf das Kind auswirkt und ob es Hinweise auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung gibt. Gleichzeitig kann die Eltern-Kind-Beziehung in vielen Fällen gezielt als Ressource für den therapeutischen Prozess verstanden und eingeplant werden.

Im ersten Teil der Fortbildung geht es um den professionellen Umgang mit möglicher Kindeswohlgefährdung im Rahmen der Erwachsenenpsychotherapie. Wie lassen sich Belastungen und Risiken für Kinder einschätzen, ohne vorschnell zu bewerten? Welche Handlungsschritte sind erforderlich, wenn sich Hinweise auf eine Gefährdung ergeben? Und wie mit den besonderen Herausforderungen für die therapeutische Beziehung bei dem Thema „Kindeswohl“ umgehen?

Im zweiten Teil steht im Mittelpunkt, wie die Beziehung zum eigenen Kind in die Therapieplanung einbezogen werden kann und welche Bedeutung sie für Motivation, Stabilisierung und Veränderungsprozesse haben kann. Gemeinsam wird erarbeitet, wie elterliche Kompetenzen und gelingende Beziehungserfahrungen aktiviert und gestärkt werden können und wie konkrete therapeutische Interventionen an der Elternrolle und der Beziehung zum Kind ansetzen können.

Ziele

Ziel ist es Psychotherapeut:innen von erwachsenen Patient:innen für potentielle Kindeswohlgefährdung zu sensibilisieren und durch Handlungsleitfäden mehr Sicherheit im Umgang mit der Frage nach Kindeswohlgefährdung zu geben. Darüber hinaus zielt die Fortbildung darauf ab, eine psychotherapeutische Haltung zu etablieren, in der die Eltern-Kind-Beziehung gezielt (als Ressource) in die Therapieplanung miteinbezogen wird. 

Zielgruppe

Psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen und andere Interessierte

Literatur

  • von Düring-Ulmenstein, Leonie, und Gerhard Zarbock. „Kapitel 7.8 - Kindeswohlgefährdung“. Verhaltenstherapie Bei Kindern und Jugendlichen. Germany: Springer Berlin / Heidelberg, 2023.
  • Seehausen, A., Renneberg, B., Hübenthal, M., Katzenstein, H. & Rosenbach, C. (2022). Kinder von Eltern mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Psychotherapeut. https://doi.org/10.1007/s00278-021-00550-1
  • S3-Leitlinie AWMF Kinderschutz: Kindesmisshandlung, -missbrauch, -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie): https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-069

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