Das angewandte Improvisationstheater gewinnt derzeit in vielen therapeutischen Bereichen zunehmend an Bedeutung. In seinen Grundhaltungen, wie etwa Wertfreiheit, Akzeptanz der Realität, Fokussierung auf das Hier und Jetzt sowie der offenen und annehmenden Beziehungsgestaltung, zeigt es eine enge konzeptionelle Nähe zur dialektisch-behavioralen Therapie. Durch die gezielte Verknüpfung von Inhalten der DBT mit Übungen aus der angewandten Improvisation eröffnen sich innovative und kreative Möglichkeiten für emotionsaktivierende Erfahrungen bei den Patient:innen.
Das Improvisationstheater (nach Viola Spolin und Keith Johnstone) findet in der heutigen, Spontaneität und Flexibilität erfordernden Zeit, weltweit zunehmend Beachtung. Auch in der Psychotherapie gewann die Methoden als „Angewandte Improvisation“ in den letzten Jahren verstärkt an Bekanntheit. Die Angewandte Improvisation bietet die Möglichkeit der ganzheitlichen, dabei insbesondere emotionsaktivierenden Behandlung. Es handelt sich nicht um vorgefertigte Rollenspiele, sondern um aktivierende Gruppenspiele sowie die Entwicklung von Szenen „aus dem Moment“ heraus, die Entwicklung von Spontaneität sowie die bewusste Abkehr vom kognitiven Fokus. Weitere Grundprinzipien bestehen in einer zugewandten, kontaktoffenen, akzeptierenden Haltung („Yes, and…“) sowie einer dezidiert positiven Fehlerkultur („Scheiter heiter!“). Zudem werden achtsamkeits- und konzentrationsfokussierte Methoden vermittelt. Auch in der Körperbildarbeit kann die Methode wirkungsvoll eingesetzt werden. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig: für Patient:innen mit emotionaler Instabilität, Dissoziationen, sozialen Ängsten und Phobien, depressiven Erkrankungen, aber auch in der Arbeit mit Essstörungen bieten Elemente der Angewandten Improvisation großes Potenzial. Auch für den kinder- und jugendpsychotherapeutischen Bereich beinhaltet der Ansatz vom Kindergartenalter bis in die Adoleszenz zahlreiche Möglichkeiten, allerdings immer unter Berücksichtigung altersspezifischer Besonderheiten.
Beide Dozentinnen verfügen jeweils über eine mehr als 15-jährige Erfahrung mit angewandter Improvisation in der Psychotherapie. Sie gründeten 2007 in der Universitätsklinik Aachen eine der ersten therapeutischen Improvisationstheatergruppen im Bereich der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie und sind Gründungsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Improvisation in der Therapie (DGAIT, 2024). Beide spielen leidenschaftlich gerne Improvisationstheater, nicht nur in Klinik und Praxis, sondern auch in ihrer Freizeit.
Zielgruppe
Die Fortbildung eignet sich für PsychologInnen, ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen und andere Berufsgruppen des psychosozialen Bereichs, außerdem auch für im pädagogisch-therapeutischen Kontext tätige Personen. Erfahrung im Theaterspiel ist explizit nicht notwendig, Voraussetzung ist lediglich die Bereitschaft, sich auszuprobieren und mit Freude zu Scheitern. (Keith Johnstone: „Enjoy things even when you are screwing up.“).
Zumindest die Workshops Basis I, Skills I und Skills II sollten besucht worden sein.
Ziele
Die Methode der Angewandten Improvisation soll in ihren Methoden und Grundhaltungen skizziert und erlebt werden. In Verknüpfung mit den Inhalten der DBT sollen die Teilnehmenden Handwerkszeuge für die Einzel- und Gruppentherapie erarbeiten, um im Rahmen der DBT die Angewandte Improvisation als innovative, kreative und emotionsaktivierende Ergänzung nutzen zu können.
Inhalte
In unserem Workshop stellen wir die Methode für alle Altersgruppen anhand bewährter Übungen vor, die sich sowohl in der Einzeltherapie als auch in der Arbeit mit Familien und Patienten:innengruppen nutzen lassen. Schwerpunkte liegen hierbei u.a. auf Achtsamkeitsübungen, emotionsstabilisierendem Training und dem Umgang mit Misserfolgen und Frustrationsmomenten. Dargestellt werden hierbei auf der einen Seite Übungen, die sich interaktionell oder auch allein als „Skills“ nutzen lassen. Auf der anderen Seite stellen wir Übungen vor, die Aspekte des DBT wie Emotionen, Achtsamkeit, Beziehung und Steigerung des Selbstwertes durch Erleben der eigenen kreativen Ressourcen fokussieren und für die Patient:innen erlebbar machen.
Literatur
- Felsman, P et al (2018). The use of improvisational theater training to reduce social anxiety in adolescents. The Arts in Psychotherapy
- Johnstone, K (2012). Impro: Improvisation and the theatre. Routledge
- Nees, F (2019). Selbststärkung: 80 kreative erlebnisorientierte Übungen für die Psychotherapie. Kartenset mit Anleitung. Beltz Nees, F (2021). Den inneren Kritiker zum Lachen bringen: 80 kreative erlebnisorientierte Übungen die Psychotherapie. Kartenset mit Anleitung. Beltz
- Schwarte, R, Alexandridis, K (2024) Körperbild bei Essstörungen Ein interdisziplinäres Therapiemanual, Reinhardt-Verlag
- Schwenke, D et al (2021) Improv to improve: The impact of improvisational theater on creativity, acceptance and psychological well-being. Journal of Creativity in Mental Health
- Stein, M, Schnell, K (2024). Angewandte Improvisation in der Psychotherapie. Kohlhammer
Fr., 29.08. und Sa., 30.08.2025,
jeweils 09:00 bis 17:00 Uhr
Dr. Reinhild Schwarte
Der ermäßigte* Preis liegt bei 336,00 €.
Sie möchten eine Inhouse-Schulung buchen?
Gern führen wir unsere Schulungen und Seminare auch direkt in Ihrer Klinik oder Einrichtung durch. Fragen Sie uns nach individuellen Terminen und Kursangeboten.
Hier finden Sie weitere Informationen zu unseren Inhouse-Schulungen.