Die Intensive Affekt- und Beziehungsfokussierte Therapie baut auf einem seit den 1970er Jahren beforschten Prozessalgorithmus auf, der inzwischen therapieschulübergreifend als hoch wirksamer Ansatz anerkannt wird. Er geht auf Habib Davanloo zurück, der das Vorgehen zunächst als „Intensive Short-term Dynamic Therapy“ bekannt machte und über die Jahre mit unterschiedlichen Forschergruppen weltweit untersuchte und weiterentwickelte. Evidenzen liegen inzwischen für die gesamte Spannbreite ambulant behandelbarer Störungen vor (von „Fragile“ bis „High Restistant“).
In diesem Vorgehen werden PatientInnen-Reaktionen videobasiert „moment-by-moment“ präzise beobachtet, um eine passende Intervention zwischen Affektmobilisierung und Emotionsregulation anzubieten, dabei wird vor allem auch körperfokussiert auf das nonverbale Verhalten geachtet. PatientInnen werden explizit als wichtigste SupervisorInnen ihres eigenen Prozesses einbezogen. Gerade die Arbeit mit primären Affekten (wie Trauer, Wut, Lust) wird als der „Schlüssel zum Unbewussten“, zu den bislang unverarbeiteten inneren Konflikten und Erinnerungen erkannt. Sadistische Wut und sexuelle Lust sind beispielsweise oft unbewusst in einem Angstgefängnis aus Scham und Einsamkeit gefangen („Affektphobie“). Werden diese Impulse in einer wohlwollenden Therapieallianz mit Hilfe der Übertragung bewusst gemacht und durchlebt, kann eine innere Versöhnung mit schädigend erlebten Bindungsfiguren eintreten. Anhand konkreter Videobeispiele und kurzen Übungssequenzen wird nicht nur Wissen, sondern auch eine angstfreie therapeutische Haltung vermittelt, um PatientInnen sowohl empathisch als auch konfrontativ von Moment zu Moment zu begleiten.
Zielgruppe
Approbierte Psychotherapeut:innen, Psycholog:innen, Ärzt:innen, Sozialarbeiter:innen, Pädagog:innen, Pflegepersonal, Ergotherapeut:innen, Köper- und Bewegungstherapeut:innen sowie weitere klinisch tätige Berufsgruppen
Inhalte
- Aktuelle, neurowissenschaftliche Grundlagen zu Emotionen, Affekten
- Integrative Bindungstheorie
- Praxisteil mit konkreten Übungen zum Einfühlen in den Ansatz
- Gemeinsame, schulübergreifende Reflexion und Austausch
Methoden
- Videobasierte Vorstellung (Fallbeispiele aus der Praxis)
- Unterricht mit Handout
- Übungen in der Gruppe
- Abschlussrunde im Plenum
Literatur
Ein umfassender Überblick zu den Forschungsbefunden findet sich unter: http://reachingthroughresistance.com/publications/
Die Dozentin publizierte Ende 2026 unter dem Titel „Intensive Affekt- und Beziehungsfokussierte Therapien (ABT)“ diesen Ansatz in therapieschulübergreifener Sprache im Kohlhammer Verlag
Bei der DGVT wurde im VVP Verlag unter dem Titel „Gefühle als Therapiekompass“ ebenfalls ein kurzer Überblick zum Vorgehen und seiner Historie gegeben.
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