Frauengesundheit und gynäkologische Schmerzerkrankungen in der Psycho­therapie

Frauen erleben über die Lebensspanne spezifische körperliche und hormonelle Umbrüche, die ihre psychische Gesundheit beeinflussen können und in der Psychotherapie oft wenig Beachtung finden. Das Seminar vermittelt fundiertes Wissen zu Frauengesundheit und zeigt am Beispiel der Endometriose, wie gynäkologische Schmerzerkrankungen psychotherapeutisch mitbehandelt werden können.
Frauenspezifische Gesundheitsthemen sind in Forschung und Versorgung nach wie vor unterrepräsentiert (Gender Health und Gender Data Gap) und spielen auch in der psychotherapeutischen Praxis meist eine untergeordnete Rolle. Das zweitägige Seminar vermittelt praxisnah Zusammenhänge zwischen Hormonen, körperlicher und psychischer Gesundheit bei Frauen und wie Psychotherapeut:innen dieses Wissen in Diagnostik und Behandlung einbinden können.

Der erste Tag widmet sich den hormonellen Umbruchphasen als Zeitfenster erhöhter psychischer Vulnerabilität: Pubertät und Menarche, Schwangerschaft und Postpartalzeit sowie Wechseljahre. Behandelt werden außerdem Menstruationszyklus und Regelbeschwerden, prämenstruelles Syndrom und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) als neue Diagnose der ICD-11, unerfüllter Kinderwunsch, und das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS).

Der zweite Tag beginnt mit einem Überblick über häufige gynäkologische Schmerzerkrankungen. Vertieft betrachtet wird die Endometriose aus schmerzpsychotherapeutischer Perspektive. Endometriose betrifft etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter und geht vermehrt mit Depressionen, Angststörungen und Einschränkungen in Beruf, Sexualität und Alltag einher. Viele Betroffene haben einen langen Weg bis zur Diagnose hinter sich. Im Mittelpunkt stehen Schmerzchronifizierung und zentrale Sensibilisierung, Angst-Vermeidungs- und Durchhaltemuster, sowie verhaltenstherapeutische und akzeptanzbasierte Interventionen. Weitere Schwerpunkte sind die psychologische Unterstützung in der Krankheitsverarbeitung bei einer chronischen Erkrankung ohne Heilungsaussicht, der Beziehungsaufbau zu Patientinnen mit negativen medizinischen Vorerfahrungen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Theoretische Inputs werden mit Fallbeispielen, interaktiven Übungen sowie Kleingruppen- und Reflexionsphasen verbunden. Eigene Fälle können gerne eingebracht werden.

Ziele

Die Teilnehmenden
  • kennen die drei großen psychischen Vulnerabilitätsphasen im weiblichen Lebenslauf und deren Bedeutung für Diagnostik und Behandlung
  • können zyklusassoziierte Symptomatik einordnen und PMS von PMDS (ICD-11) abgrenzen
  • kennen wichtige Aspekte von Krankheitsbild, Diagnostik sowie psychische Komorbiditäten der Endometriose und weiterer gynäkologischer Schmerzerkrankungen
  • verstehen Mechanismen der Schmerzchronifizierung und können ein biopsychosoziales Störungsmodell mit Patientinnen erarbeiten
  • können verhaltenstherapeutische und akzeptanzbasierte Interventionen bei chronischen gynäkologischen Schmerzerkrankungen anwenden (Schmerzedukation, Aktivitätsregulation, Arbeit mit schmerzbezogenen Kognitionen),
  • kennen Schnittstellen und Wege der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Gynäkologie und Endometriosezentren.

Zielgruppe

Psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen, Psychotherapeut:innen in Aus- und Weiterbildung, Psycholog:innen und Ärzt:innen mit psychosomatischem oder gynäkologischem Tätigkeitsschwerpunkt.

Inhalte

Tag 1 – Frauengesundheit in der Psychotherapie
  • Gender Health und Gender Data Gap: Bedeutung für die psychotherapeutische Praxis
  • Weiblicher Zyklus und Regelbeschwerden
  • Hormonelle Umbruchphasen: Pubertät und Menarche, Schwangerschaft und Postpartalzeit, Perimenopause – körperliche und psychische Besonderheiten, sowie Implikationen für die Psychotherapie
  • Menstruationszyklus, Regelbeschwerden, PMS und PMDS (ICD-11)
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS)

Tag 2 – Endometriose und chronischer Unterbauchschmerz in der psychotherapeutischen Praxis
  • Gynäkologische Schmerzerkrankungen im Überblick
  • Endometriose: Krankheitsbild, Diagnostik, psychische Komorbiditäten
  • Schmerzchronifizierung und zentrale Sensibilisierung
  • Angst-Vermeidungs- und Durchhaltemuster; Schmerz, Fatigue 
  • Verhaltenstherapeutische Interventionen: Schmerzedukation, Aktivitätsregulation, schmerzbezogene Kognitionen
  • Akzeptanzbasierte Ansätze und Krankheitsverarbeitung bei chronischer Erkrankung ohne Heilungsaussicht
  • Psychologische Vorbereitung und Nachsorge bei Operationen
  • Therapeutische Beziehungsgestaltung bei negativen medizinischen Vorerfahrungen
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Methoden

Theoretische Inputs, Fallbeispiele, interaktive Übungen, kurze Videos, Kleingruppen- und Reflexionsphasen. Eigene Fälle können eingebracht werden.

Literatur

  • Brucker, S., Simoes, E. & Wallwiener, E. (Hrsg.). (2023). Frauengesundheit – Frauenmedizin. München: Elsevier
  • Di Renzo, G. C. (Hrsg.). (2026). Obstetric and Gynecological Women‘s Health. Cham: Springer. 
  • Mechsner, S. (2021). Endometriose. Die unterschätzte Krankheit. München: ZS Verlag
  • Mechsner, S. (2025). Endometriose – was tun? Mit Ernährung, Bewegung und mentalen Bewältigungsstrategien gegen die Schmerzen. München: ZS Verlag.
  • Yamanaka, M. & Eisenegger, L. (2025). Gynäkopsychologie in der psychotherapeutischen Praxis: Häufige Beschwerdebilder erkennen, verstehen & behandeln. Berlin, Heidelberg: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-72284-8

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