Die dritte Welle und das Meer - der Einfluss des Zen auf die Verhaltens­therapie

Die Wörter „Achtsamkeit“ und „Zen“ werden mittlerweile völlig selbstverständlich auch im klinischen Alltag verwendet. 
„Diese Achtsamkeitsübung kommt aus dem Zen.“  Dieser Satz steht vielen Therapiemanualen und Ratgebern, und scheint erstmal schlüssig. Aber: Was heisst das eigentlich? Was heisst „Kommt aus dem Zen“?
Der Begriff „Zen" wird im Kontext von Psychotherapie manchmal verwendet, um bestimmte Meditationspraktiken zu bezeichnen. Häufig werden diese unter dem Begriff „Achtsamkeit“ zusammengefasst. Außerdem bezeichnet „Zen“ eine Tradition innerhalb der Buddha-Schulen („Buddhismus“).
Die historische Wechselwirkung zwischen diesen beiden Feldern, sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Theorie und Praxis sind oft sogar jenen Fachkräften unklar, die Achtsamkeit routiniert einsetzen.

In der Verhaltenstherapie haben sich Verfahren etabliert, die zur so genannten, ”dritten Welle der Verhaltenstherapie”  gezählt werden (MBSR, MBCT, DBT, ACT). Während einige Strömungen wie die ACT aus radikal behavioristischer Sicht inhaltliche und praxisbezogene Gemeinsamkeiten mit der Buddha-Lehre diskutieren, (vgl Hayes 2002), sehen andere Strömungen die Buddha-Lehre und/oder Zen als eine der Wurzeln ihrer Theorie und Praxis an, wie MBSR oder DBT. Im aktuellen DBT-Manual betonen Bohus und Vonderlin (2025) noch einmal explizit die zentrale Bedeutung des „Wise Mind“ für die DBT und unterlegen dies mit Begriffen aus der Buddha-Lehre.

Wie können Zen-Erfahrung und moderne Verhaltenstherapie gemeinsam fruchtbar werden? 
In diesem Workshop werden wir verschiedene Meditations- und Achtsamkeitsformen praktizieren. Zum einen moderne Formen der verhaltenstherapeutischen Interventionen, zum anderen traditionelle Formen aus dem ’Zen’. Wir werden prüfen, wie sich Framing und Narrative auf die Praktiken auswirken:  Suchen wir Genuss und Entspannung? Suchen wir „Heilung“? Oder suchen wir danach, was „das alles“ hier ist und was wir tun können, um allen Wesen zu helfen?

Zudem werden die historischen Zusammenhänge zwischen traditionellen Buddha-Schulen und modernen, evidenzbasierten Verfahren erörtert.
Nicht zuletzt sollen die Haltung und Praxis des Zen und dessen Implikation und Potentiale für die therapeutische Beziehung erfahrbar werden: Schließlich erstreben Psychotherapie und Zen gemeinsame Qualitäten: Verbundenheit, Empathie, Mitgefühl, Dankbarkeit, Liebende Güte

Ziele

  • Inspiration für die Gestaltung der therapeutischen Beziehung
  • Historische, moderne und aktuelle Zusammenhänge verstehen, um einschlägige Begriffe (Achtsamkeit, Zen, Buddhismus, Meditation) einordnen zu können
  • Diskussion der Spannungsfelder Religion/Spiritualität im Kontext von Psychotherapie
  • Eigene Erfahrungen machen im Rahmen von traditionellen und Modernen Meditationspraktiken
  • Risiken und Nebenwirkungen von Meditation und spirituellen Bewegungen kennen

Zielgruppe

Fachkräfte (Psycholog:innen, Therapeut:innen, Ärzt:innen, Pädagog:innen, Pfleger:innen), die mit achtsamkeitsbasierten Verfahren arbeiten oder damit zukünftig arbeiten möchten. Grundkenntnisse in „Dritte Welle“-Verfahren der VT (wie z.B. DBT, ACT, MBSR) sind wünschenswert.

Inhalte

  • Begriffsklärung
  • Geschichte des Zen innerhalb der Buddhaschulen
  • Zentrale Praktiken
  • Historische Annäherung von Zen und Psychotherapie
  • Historische Integration von Zen in die VT anhand der Beispiele MBSR, DBT
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Achtsamkeitsströmung
  • Dialektik zwischen Zen und VT am Beispiel der ACT

Methoden

  • Vortrag mittels Präsentation
  • Meditationsübungen traditionell: Sitzmediation (Stuhl), Gehmeditation, Chanting
  • Achtsamkeitsübungen aus modernen VT-Verfahren
  • Reflexion von Selbst- und Welt-Konzepten

Literatur

  • Bohus, M., & Vonderlin, R. (2025). DBT-Skillstraining: Das Trainer-Manual. Klett-Cotta.

  • Dumoulin, H. (2019). Geschichte des Zen-Buddhismus I: Indien, China, Korea. Narr Francke Attempo Verlag.



  • Li, P., Matsuda, A., & Sargent, K. (2017). Zen and Psychotherapy. In A. Matsuda (Hrsg.). W. T. O’Donohue (Hrsg.), Handbook of Zen, Mindfulness, and Behavioral Health (S. 169–194). Springer International Publishing.

  • Linehan, M., & Sargent, K. (2017). Brief Thoughts in Zen and Behavior Therapy. In A. Matsuda (Hrsg.)W. T. O‘Donohue (Hrsg.), Handbook of Zen, Mindfulness, and Behavioral Health (S. 215–254). Springer International Publishing.

  • Wolbert, R. (2019). Modifying Behavior Therapy to Meet the Challenge of Treating Borderline Personality Disorder: Incorporating Zen and Mindfulness. In M. A. Swales (Hrsg.), Oxford Handbook of Dialectical Behavior Therapy (S. 91–106). Oxford University Press.

  • Zotz, V. (1996). Geschichte der buddhistischen Philosophie. Rowohlt Taschenbuch Verlag.

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